Montag, 25. April 2011

Ostern

Wie sicher alle bemerkt haben, ist heute Ostersonntag. Da ich aber erstens in Russland bin und zweitens mit Leuten aus vielen verschiedenen Ländern zusammenlebe, war dieses Jahr alles ein kleines bisschen anderes als sonst. Aber vieles auch so wie immer.

Zuerst ist da mal die Tatsache, dass Ostern hier soweit ich mitbekommen habe kein staatlicher Feiertag ist, auch wenn es hier in Russland genauso wichtig ist wie bei uns. Der größte Unterschied dieses Jahr war jedoch, dass wir das Feiern einen Tag vorverlegt haben. Erstens macht man das in Schweden so (und wenn Emma mal in Fahrt ist, lässt sie sich von nichts mehr aufhalten, was George am eigenen Leib erfahren durfte ^^), und außerdem sind Dinnerparties am Arm der Welt für alle Beteiligten angenehmer, wenn man den nächsten Tag frei hat.

So begann also am Samstag morgen das Projekt "Bunter Hefezopf". Bunt ist er wegen der Marzipanfüllung, da es nur Deko-Marzipan in vier verschiedenen Farben zu kaufen gab. Hat man nach dem Backen aber nicht mehr gesehen. Schade eigentlich. Ist aber trotzdem toll geworden.



Abends stieß dann noch George zu uns, und unsere Vier-Mann-Osterparty konnte beginnen. Zu Ostern gehören natürlich auch bunte Eier, aber selbst die haben hier einen ganz besonderen Touch. Zunächst mal sind die Farben total anders, als man das so aus Deutschland gewohnt ist, außerdem bekommt man viele hübschhässliche Ostersticker dazu, und eine Art bunter Schrumpfschlauch. Doch seht selbst:

Im Vordergrund Emmas Kunstwerke aus den Marzipanresten


Alle Zutaten für ein russisches Osterfest
Hinter den Eiern verstecken sich noch schwedische Lachsröllchen, die zusammen mit Hühnerbeinen und Ratatouille den herzhaften Teil unseres Festmahls darstellten. Das in der Mitte ist ein russischer Kuchen, den man traditionell an Ostern ist. Leider haben wir es bis jetzt noch nicht geschafft, ihn zu probieren. Schuld daran war außer dem Hefezopf noch Albinas Browniekuchen:


Sollte eigentlich ein Brownie werden, sieht aber mehr aus wie ein normaler Kuchen und schmeckt auch so. Wird aber aus Prinzip wie Brownies geschnitten. ^^

Was es eigentlich auch noch geben sollte, es aber wegen der schieren Mengen an Essen nicht mehr geschafft hat, war Langos, ungarisches Fettgebackenes mit viel Knoblauch und anderen leckeren Sachen. Das haben wir kurzerhand auf heute verschoben.


Was dieses Wochenende noch ausgezeichnet hat, war das wunderbare Wetter, bei dem wir endlich unseren Balkon einweihen konnten und den Jungs bei ihren Fitnessübungen und Fussballspielen im "Garten" zuschauen konnten. Außerdem habe ich mit Albina auch ein bisschen Workout betrieben, wovon ich natürlich sofort wieder Muskelkater bekommen habe. Also kommt morgen die nächste Einheit.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen noch frohe Rest-Ostern.

Donnerstag, 21. April 2011

Frühlingsputz

Nachdem es jetzt so langsam auch bei uns frühlingshaft wird, wird Moskau jetzt von scharenweise Männern in Warnwesten auf Vordermann gebracht. Angefangen hat es vor 2 Wochen mit Fensterputzkommandos, die sich an den großen Bürogebäuden abgeseilt haben. Dann ging es weiter: Es werden Bushaltestellen, Zäune, Hauseingänge und Bordsteinkanten neu eingefärbt, weil sie nach dem langen Winter nicht mehr besonders ansehnlich sind. Sogar die Pfeiler neben dem Eingang zu unserer Uni haben ein neues Kleid bekommen und sind jetzt blitzblau.

Außerdem werden altes Gras und Laub zusammen gerecht, die Straßenmarkierungen neu nachgezogen und die Straßen umweltfreundlich mit tonnenweise Wasser saubergespritzt, was lange Staus verursacht, weil mehrere Laster über die ganze Straßenbreite verteilt hintereinander versetzt fahren, damit auch alle Fahrspuren ihren Teil abbekommen. Sieht aus wie eine Kolonne Räumfahrzeuge auf der Autobahn.

Dieses ganze Programm scheint auch erste Früchte zu tragen, zumindest schimmern manche Wiesen schon ein bisschen grün und heute morgen habe ich die ersten Blumen außerhalb der Blumenstände gesehen, die es hier gibt wie Sand am mehr.

 Auch sonst passen wir uns allmählich der Jahreszeit an. Immerhin steht ja Ostern vor der Tür, und das kann man schonmal als Ausrede verwenden, Frühlingsstimmung zu verbreiten, auch wenn die Natur noch nicht ganz so weit ist. Und überhaupt meine ich, mich an Geschichten von verschneiten Osterfesten zu erinnern, und das Kapitel haben wir ja hoffentlich endgültig hinter uns gelassen. Wir haben uns schonmal einen Strauß mit Palmkätzchen besorgt, den wir morgen mit selbstbemalten Eiern verschönern wollen. (Auch eine Gelegenheit, sich Physik vor Augen zu führen: Wenn man das Loch oben an dem Ei zuhält, kommt unten kein Wasser raus. Sollte man eigentlich wissen, ist ja bei Strohhalmen auch so, aber ist irgendwie doch was anderes ^^)Und auch sonst laufen die Vorbereitungen für unser Osterfest langsam an; der Kühlschrank hat sich schon merklich gefüllt.

Es wird auf jeden Fall ein spaßiges Wochenende, das wohl einen mehrfarbigen Hefezopf beinhalten wird, aber dazu später mehr.

Montag, 18. April 2011

Ausstellung

Der Tag begann heute mit einem Besuch des spanischen Botschafters bei uns in der Uni. War ganz ok, hat sich aber nicht unbedingt rentiert. Er hat ca 20 Minuten über die Bedeutung Europas für Russland geredet, dann genau drei Fragen von Studenten beantwortet und ist dann wieder abgerauscht. Immerhin weiß ich jetzt, dass man ihn korrekterweise mit His Excellency anreden würde, sollte man je in die Verlegenheit kommen.

Danach war Russisch angesagt, und man konnte wunderbar die unterschiedliche Arbeitsmoral in verschiedenen Ländern beobachten: In der ersten Hälfte waren nur Margit und ich da, und alle Aufgaben waren schnell erledigt. Dann kamen die Franzosen, und fingen direkt an, sich darüber zu beschweren, dass man die französischen Namen nicht mehr versteht, wenn sie russisch ausgesprochen und dann noch in irgendeinem komischen Fall gebeugt sind. (Denen hat wohl auch noch niemand gesagt, wie man John Lennon richtig ausspricht).

Naja, das "Highlight" des Tages war eine Ausstellung von einer Kunstschule in Moskau, zu der wir auf mysteriösen Wegen eingeladen wurden. Für Albina und mich war es mal wieder eine Art Blind Date, da wir nur wussten, dass wir eine Ausstellung besuchen würden, aber nicht, wo, was oder warum. Aber wir sind da ja nicht so...

Es stellte sich raus, dass es eine Ausstellung der Aquarellschule von Sergeij Andriaka war, bei der Werke von ihm selbst, von Lehrern und von Schülern ausgestellt wurden. Es war ganz  ok, aber ich finde, wenn man Sachen möglichst naturgetreu abbilden will, kann man auch einfach ein Foto machen.  Moderne Kunst sucht man da auf jeden Fall vergeblich. Dafür gab es immerhin ein paar Bilder von Orten, die mir bekannt vorkamen (zB Freiburg).

Und nebenbei bemerkt auch ganz viele Fotos von uns drei mit schickem Mirbisschal (den wir leider leider nicht behalten durften), mit und ohne Maler, damit Mirbis in Zukunft mit uns angeben kann. Mit der Zeit kam man sich da schon ein bisschen wie ein Tier im Zoo vor.

Die gute Frau war ein bisschen überfordert mit dem fotografieren



Albina ist hier Russian Style unterwegs, weil es heute ganz schön heftig gestürmt hat. Ich habe gar nicht realisiert, wie heftig, aber Emma hat mir erzählt, dass sich unser Nachbardach im Wind bewegt hat. Wir haben zwei umgestürzte Bäume gesehen, von denen einer in eine Trolleybusoberleitung und der andere auf ein Auto gefallen ist. Ich weiß nicht, ob ich das schonmal erwähnt hab, aber Trolleybusse sind Busse, nur dass sie eine Oberleitung haben wie Straßenbahnen. Leider können sie nur fahren, wenn sie an so einer Leitung hängen. Ich kann mir also nur vorstellen, dass sich dort dann ein ziemlich langer Stau von Bussen gebildet hat, weil sie ja nicht weiterfahren können, wenn die Leitung kaputt ist, aber auch nicht umkehren.

Sonntag, 17. April 2011

This is Russia

Weils so schön (und wahr) ist, hier mein Lieblingsvideo über Russland, um euch an diesem Studyday zu unterhalten:

Viel Spaß und: You never Know...

Cosmonauts' Museum

Heute machten wir uns ganz dem Zeitgeist entsprechend auf, das Kosmonautenmuseum zu besuchen. Schließlich war ja am Dienstag der 50. Jahrestag der ersten Reise in den Weltraum. Dementsprechend war auch die Schlange etwas länger als normal, aber es war noch im Rahmen. Dafür war der Eintritt für uns Studenten kostenlos. Dummerweise hatte Quentin seinen Studentenausweis nicht dabei, er musste also 100 Rubel zahlen (2,50€). Leider hatten George und er nur 1000-Rubel-Scheine, ich immerhin einen 500er. Das war der Dame an der Kasse aber immernoch nicht klein genug, und sie fühlte sich genötigt, uns daran erinnern, dass das ein Museum sei und keine Bank.


Das Museum war ziemlich cool, aber es ist schon ziemlich unvorstellbar wie man es in solchen Minikapseln aushalten kann, ohne vor lauter Platzangst völlig verrückt zu werden.

Das sind einige Tuben mit Essen, wie sie im Weltall verspeist werden/wurden. Es finden sich hier unter Anderem Quark mit Fruchpüree, Kakao mit Milch, Saft, Zitronencreme, Honig und Apfel-Erdbeer-Soße. Und nebendran natürlich Kaviardosen. Aber ganz ehrlich will ich lieber nicht so genau drüber nachdenken, was es im All für kulinarische Highlights gibt. Ach ja, und das Gemüse muss im Kühlschrank festgeschnallt werden, damit es nicht wegfliegt :-)

Ein Plakat zum 50. Jahrestag des Space Flight von Juri Gagarin



Oben sieht man das Denkmal für die russischen Kosmonauten (das Museum ist unten drunter). Und ja, klein und bescheiden ist für die Russen ein Fremdwort. Das sieht man auch an den anderen Denkmälern, die dort rumstehen (ich weiß selber nicht genau, für was die sind):


Eine nette Anekdote am Rande: als wir aus dem Museum kamen, waren scharenweise Menschein in roten Anzügen unterwegs (ein paar sind auf dem Bild oben zu sehen), die wohl eine Art Rallye machten. Auf jeden Fall gab es viel Geschrei und Rumgerenne. Anscheinend waren sie auf der Suche nach etwas, denn als wir drei uns um einen kleinen Metroplan scharten, kam eine von ihnen zu uns und schaute, was wir da so gespannt anschauten.

Danach gingen wir uns im Starlite Diner stärken, was sich absolut gelohnt hat. Die Burger waren toll, vor allem aber die Milkshakes, die nach flüssigem Snickers schmecken :-) Zucker macht das Leben einfach schöner. Und bevor ich jetzt hier gemaßregelt werde: immerhin haben wir auf Double Chocolate mit Banane verzichtet.  Weisheit des Tages, entnommen von einem Plakat im Diner: Drink Coffee - Do stupid things faster and with more energy.

Ach ja, und wenn George versucht, mit der Zunge einen Knoten in einen Kirschenstiel zu machen, dann sieht das so aus (einfach nicht nach den Gründen fragen):


Ein weiteres Highlight: die HubbaBubbas, die es zur Rechnung gab. Was gibt es schöneres, als zu 6. (Emma und ein paar Russen waren noch zu uns gestoßen) Kaugummiblasen machend durch die Stadt zu laufen? Emma, George und ich haben damit immerhin in der Metro 3 Polizisten zum Schmunzeln gebracht, und das will ja schon was heißen, die sind ja immer eher mit Pokerface unterwegs.

Sonntag, 10. April 2011

So, ich wollte ja eigentlich nicht mehr übers Wetter schreiben, aber das muss jetzt einfach mal raus: Schnee am 9. April ist einfach gemein und als verspäteter Aprilscherz auch nicht besonders lustig. Wenn man aus dem Fenster schaut, fühlt man sich ein bisschen an Venedig erinnert, nur dass es keine Gondeln gibt, mit denen man die Teiche und Kanäle überqueren kann.

Aus dem Haus mussten wir gestern trotzdem, weil Emma und ich ein Date mit George hatten, um eine Fotoausstellung zu besuchen. Das war eigentlich ziemlich cool, der Ort heißt Vinzavod und ist wohl eine ehemalige Fabrik oder so was, auf jeden Fall haben sie dort 23 Säle mit verschiedenen Ausstellungen die ständig wechseln. So kann man sich aussuchen, auf was man gerade Lust hat. Unsere war sogar umsonst (Rena Effendi: Real Color). Wer gerne sehen möchte, was wir gesehen haben, hier der Link zur Galerie: http://gallery.photographer.ru/

Danach wollten wir eigentlich einen Kaffee trinken gehen, um unsere nassen Füße etwas abtrocknen zu lassen; daraus wurde dann spontan aber doch Sushi und ein Paradebeispiel für den Nationalitätenmix, dem wir hier ständig ausgesetzt sind: Eine Schwedin, eine Deutsche und ein georgischer Engländer in einem japanischen Restaurant in Moskau, die als Nachtisch Apfelstrudel essen... Das ist zwar vielleicht nicht unbedingt der Ort, an dem man Strudel erwartet, dafür war er aber erstaunlich gut.

Georges Mitbewohnerin beschloss dann spontan, eine Party zu veranstalten, weil sie sich zu Hause wegen des schlechten Wetters zu Tode langweilte, also blieb ich gleich in der Stadt, was mir vorübergehend eine neue Frisur beschert hat. So bin ich dann den Rest des Abends mit glatten Haaren rumgelaufen, war mal was neues und auf jeden Fall ziemlich ungewohnt. Leider gibt es kein Foto, weil meine Kamera im Moment schwächelt. Ich hoffe, sie fängt sich wieder.

Heute morgen hab ich mich dann wieder auf den Heimweg gemacht (und rausgefunden, dass Jahrmarkt auf Russisch Jarmarka heißt, woher das wohl kommt ^^). Viel hab ich heute nicht gemacht, außer mit Emma mal wieder spektakulär leckeres Essen gekocht. Es sollten eigentlich türkische Teigtaschen werden, aber nachdem wir den Spinat durch Mais ersetzt haben hat es mehr nach mexikanisch geschmeckt ;-)

Donnerstag, 7. April 2011

A perfect Day

Heute war eigentlich ein ziemlich perfekter Tag, zumindest die 2. Hälfte.

Emma und ich hatten beschlossen, heute eine kleine Shoppingtour zu machen. Gesagt, getan, zogen wir nachmittags los (nachdem wir wegen Rohrarbeiten vergeblich auf warmes Wasser gewartet hatten). Bis wir im Shoppingcenter ankamen, war aber erst mal Zeit, gemütlich einen Kaffee zu trinken und zwar bei Schokoladniza, einer Cafe-Kette. Wie der Name schon sagt, sind sie dort spezialisiert auf Schokoladiges. Für mich gab es einen "Schokoladnij Keks" mit Vanilleeis, was so ziemlich der beste Schokokuchen ist, den ich je gegessen habe; warm, schokoladig, mit einer Pralinecreme mit Knusperstückchen gefüllt. :-)

In den Läden wurden wir dann auch fündig. Ich wollte zwar eigentlich eine Jeans, aber wenn man danach sucht findet man bekanntlich nie das richtige. Aber so schlimm war es auch wieder nicht, die anderen Sachen sind auch toll. Zum Beispiel diese Ohrringe:

Und die dritte Komponente für einen guten Tag nach Schokolade und Shopping war das Abendessen mit Lachs, Nudeln und Avocado, mal was ganz anderes und ziemlich toll. Rezept auf Anfrage, muss erst noch aus dem Schwedischen übersetzt werden.

I'm Back

So, die Licence Thesis, ist fertig geschrieben und abgegeben, d.h. ich kann jetzt wieder am normalen Studentenleben teilnehmen :-)
Hoffentlich habe ich also bald wieder interessanteres zu erzählen als den aktuellen Wetterbericht von Moskau.
Bis dann!