Freitag, 25. März 2011

Märzwetter

Heute haben wir gelernt, dass es in Russland kein Aprilwetter gibt, dafür aber ein Märzwetter. Und das meinen die echt ernst, von Sonnenschein bis Schneesturm ist da an einem einzigen Tag echt alles drin, wie wir heute erfahren durften. Und das mit dem Schneesturm ist kein Witz, weiter als 20 Meter hat man teilweise echt nichts mehr gesehen.

Dafür bekommt man interessante neue Dinge zu sehen, wie zum Beispiel Mitarbeiter eines japanischen Restaurants, die in Landestracht Schnee schippen. Und Seifenblasen auf der Rolltreppe in der Metro. Das hat zwar sicher nichts mit dem Wetter zu tun, ist aber trotzdem nett. Ich mag Seifenblasen. Und immerhin behält man im Moment wieder einigermaßen trockene Füße (die sind jetzt wieder nur kalt).
Mein "Schulweg"...im Hintergrund sehr klein eine der 7 Stalinschwestern

Der Triumphbogen und hinten das kitschigste Hochhaus der Welt...Und ganz normaler Verkehr in Moskau
Rechts mit der Kuppel ein Museum über den 2. Weltkrieg

Hinten diesmal noch kleiner die Stalinschwester...aber die Wolke ist eh viel toller.


Mittwoch, 23. März 2011

Frühling in Moskau

Heute hat der Frühling in Moskau so richtig angefangen. Das sieht dann ungefähr so aus:

Richtig gemütlich also.

Außerdem habe ich heute erfahren, dass Emma und ich ziemliches Glück hatten. Nach dem Essen wollte Emma noch ein bisschen bleiben, ich aber nach Hause. Schließlich sind wir dann gleich gegangen. Heute habe ich Varya im Bus getroffen (die Frau von Andreij), die sich die ganze Zeit ein Taschentuch an die Nase gehalten hat. Sie hat mir erzählt, dass sie gestern abend so gegen 10 (also kurz nach uns) mit dem Bus nach Hause gefahren ist. Der Busfahrer ist wohl kurz eingeschlafen und hat einer Straßengabelung frontal eine halbhohe Zementmauer gerammt. Varya hatte noch Glück im Unglück, weil sie sich nur an der Nase verletzt hat. Sie ist nicht mal gebrochen, sondern nur Adern in der Nase verletzt, sodass es ab und zu noch blutet und sie nicht richtig atmen kann. Andere waren weniger gut dran. Der Busfahrer war eingeklemmt und hat sich beide Beine gebrochen, und auch andere Passagiere waren wohl schwer verletzt.

Varya hat mir auch erzählt, dass die Busfahrer den ganzen Tag fahren, also von ca. 5 Uhr frühs bis abends um 11 oder so. Das ist schon krass, das ist doppelt so lang, wie man in Deutschland fahren darf. Kein Wunder, dass er da am Steuer einschläft. Ich hab bis jetzt noch nie so genau drüber nachgedacht, wann die Schichtwechsel haben. Aber anscheinend ist es tatsächlich so, dass jeder Fahrer seinen eigenen Bus hat und damit den ganzen Tag hin und her fährt. Da kann man sich eigentlich nur wundern, dass nicht viel öfter was passiert.

Dienstag, 22. März 2011

Bookafe

Heute hatten Emma und ich mal wieder einen Studyday, d.h. keine Uni, aber tonnenweise Hausaufgaben bzw. ich immer noch meine Licencethesis die ich schreiben muss. Weil es sich in der Küche aber nicht so gut lernt und es überhaupt gesund ist, sich einmal amTag vor dieTür zu bewegen, und Emma gerne zum Lernen in Cafés sitzt, haben wir genau das gemacht. Netterweise gibt es ja viele Cafés mit kostenlosem W-Lan, man hat also die Qual der Wahl, wo man hingehen soll.

Bücherwürmer die wir nunmal sind, entschieden wir uns für das Bookafe:
(Nein, das sind nicht meine Bilder)
Es war ziemlich cool, anscheinend wird das auch für geschäftliche Treffen und von anderen Studenten häufig genutzt, zumindest war man mit dem Laptop vor der Nase in guter Gesellschaft. Auch die Bedienung schien sich nicht zu wundern und hat uns nach dem ersten Cappuccino stundenlang in Ruhe arbeiten lassen. Und tatsächlich stellte sich raus, dass man in der Öffentlichkeit ziemlich produktiv sein kann, zumindest bin ich einigermaßen vorwärts gekommen. Und eine nette Abwechslung ist es auch, mal was Anderes zu sehen als immer nur die gleiche Straße.

Als Belohnung haben wir uns dann zum Abschied einen Salat gegönnt, der uns auf einer Internetseite empfohlen worden war. Also Spinat mit Krabben, Avocado, Pilzen und Pesto kann ich wirklich nur empfehlen.

Montag, 21. März 2011

Hühnersuppe und Hintergrundwissen

Gestern haben Emma und ich das Projekt Hühnersuppe gestartet. Weil Tortillas aber nach einem erneuten Auchan-Powertrip verlockender erschienen, gabs das Ergebnis erst heute. Und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen, und das ganz ohne künstlich Zusätze und mit nur einem kleinen bisschen Schützenhilfe von Oma :-). Ziemlich gelungenes Experiment auf jeden fall, das sich sicher wiederholen lässt. Es ist ja immer noch kein Frühling in Sicht, die Hühnersuppensaison ist also noch nicht vorbei.

Heute dann ganz normal Uni. Ich hatte mich schon auf einen langen und langweiligen Heimweg eingestellt, zum Glück traf ich dann aber Andreij (lustig, wie immer alle in einem Bus nach Hause kommen). Ihr erinnert euch ja vielleicht noch, das ist der kasachische Maschinenbaustudent von unserem Masleniza-Ausflug. Wir hatten also dank Stau eine gute Stunde Zeit zum Plaudern. So bin ich jetzt im Bild über seine Diplomarbeit (also fast, so ganz hab ich nicht verstanden was er da genau baut), das Leben im Campus wenn man nicht nur ein Semester da ist, kasachische Winter (Schnee bis Mai, Kälte bis -46°, da will ich nicht hin), seine Englischkenntnisse und seine Zukunftspläne. Sehr spannend. Außerdem kann man sich selbst dabei beobachten, wie man ins Russische verfällt, wenn der Andere Russisch spricht. Also keine ausgefallenen Sätze, aber ein Да hier und da ist schon drin. Und die Hauptsache ist ja, das man das eine oder andere versteht, wenn er mal nicht weiter weiß. Man kann hier schon viele Erfolgserlebnisse haben, wenn man sich übe kleine Dinge freuen kann.

Was auch nett ist: Wenn in einem Russen plötzlich der Gentleman zum Vorschein kommt. Dabei ist das "ich mache meinen Platz für eine arme alte Babuschka frei" noch das wenigste, das klappt hier eigentlich überall ganz gut. Aber man ist es halt doch nicht so gewöhnt, Türen aufgehalten zu bekommen. Und ganz ehrlich, wenn einem jemand die Hand reicht, um einem aus dem Bus zu "helfen", kommt man sich schon ein bisschen vor wie in einem Jane Austen Roman. Auch wenn unser Poputschik keine prunkvolle Kutsche ist :-) Immerhin ist er dem Namen nach ein (großer gelber) Reisebegleiter
(Den Spruch "kein Wunder, dass sie ihn gleich geheiratet hat" spar ich mir jetzt einfach mal ^^)

Mittwoch, 16. März 2011

Russische Methoden

Heute war irgendwie ein netter Tag. Zuerst mussten wir mal einen HIV Test machen. Aus irgendeinem Grund ist nämlich der, den wir zu Hause gemacht haben, nicht gut genug, keine Ahnung warum genau. Immerhin kam eine nette Dame extra zu uns in die Uni, um uns das Blut abzunehmen, und der Test wird auch von der Uni bezahlt. Für uns ist der Aufwand also eher gering, da ist es dann ja schon fast egal, ob man sich nochmal pieksen lässt. Nur die 40€ in Deutschland hätte ich mir sparen können.

Danach hatten wir dann Vorlesung, nur dass wegen des Tests alle einer nach dem Anderen aufgetaucht ist. Am Anfang saß ich also alleine mit dem Prof da. Ich habe ihm von meiner Licence Thesis erzählt, was ihn natürlich sofort dazu veranlasst hat, mir alle möglichen guten Tipps zu geben. So soll ich mir z.B. hier Visitenkarten drucken lassen und damit zu potentiellen Kunden marschieren, mich dort als eine wichtige Person von meiner Firma ausgeben und so erste Kontakte knüpfen, damit ich dann der große Held bin, wenn ich zurück komme. Naja, ich weiß ja nicht ob das so eine gute Idee ist...aber wenn er meint.

Später war dann noch ein International Fair, bei dem wir unsere Unis vorstellen sollten, damit sich die russischen Studenten ein Bild darüber machen können, wo sie ein Auslandssemester machen sollen. Die Idee ist ja im Prinzip ganz gut, nur dass leider nach etwa 20 min. die Hälfte der Russen schon gegangen war und fast mehr Vortragende als Zuhörer im Raum saßen. Interessant war es aber trotzdem, v.A. die Präsentationen von den Russen, die über ihr eigenes Auslandssemester berichtet haben. Wenn man selber Austauschstudent ist, hat man halt doch einen ganz anderen Blickwinkel als ein "normaler" Student. So ist es anscheinend nötig, russische Studenten darauf hinzuweisen, dass man in Deutschland und Österreich tatsächlich lernen muss, um ein Fach zu bestehen. "Sometimes it's really not easy to pass an exam". Außerdem wurde von den Zuhörern mit Schrecken aufgenommen, dass man bei Prüfungen nicht spicken kann und dass man deswegen durchfallen kann. Daran kann man mal wieder den Unterschied in der Lernmoral erkennen, auch der Test, den ein paar andere heute geschrieben haben, spricht Bände: 20 einfache Fragen, davon die Hälfte Multiple Choice, der Rest eher grundlegend. Ein Student fragt den Lehrer: Können wir unsere Notizen verwenden? - Versuchs erstmal ohne.
Und anscheinend ist es auch kein Problem, sich mit dem Nachbarn zu besprechen oder ein aufgeschlagenes Buch unauffällig irgendwo zu platzieren. Und noch eine letzte Bemerkung: Albina hat uns erzählt, dass man in russischen Arbeiten ohne Probleme auch Wikipedia als Quelle angeben kann...
Kein Wunder, dass das russische Bildungssystem nicht den besten Ruf hat.

Montag, 14. März 2011

Lake District

Heute hat mal kurz der Frühling vorbeigeschaut. Auf dem Weg zur Uni kam es mir schon fast so vor, als ob man locker mit ner Sommerjacke auskommen würde. Das hat auch der Wetterbericht bestätigt, bei 8°C kann man ja schließlich locker im T-Shirt vor die Tür gehen.

Zum Glück hab ich das aber nicht gemacht, sooo warm ist es nämlich noch nicht, zumindest wenn man nicht mehr in der Sonne ist. Und morgen und den Rest der Woche soll es auch schon wieder schneien...frei nach dem Motto: einen Schritt vor, 3 zurück. Naja, so krass ist es dann doch noch nicht, immerhin schmilzt der Schnee schon. Und das geht erstaunlich schnell, wenn man bedenkt wie hoch der gelegen hat. Natürlich haben sicher auch die fleißigen Räumkolonnen ihren Teil dazu beigetragen, aber man sieht schon erstaunlich viel vom Boden.

Das hat natürlich auch ungewünschte Nebenwirkungen. Wie ihr euch sicher denken könnt, muss der geschmolzene Schnee ja irgendwohin. Und was eignet sich schließlich besser, als die vielen Schlaglöcher / abgesenkte Stellen in der Straße. Nachdem die hier teilweise gigantische Ausmaße annehmen, fühlt sich der Weg zu Uni schon manchmal ein bisschen an wie ein Sonntagsspaziergang einmal um einen kleinen See. Russische Pfützen sind nämlich keinesfalls so harmlos wie die meisten ihrer deutschen Gegenstücke, man sollte lieber nicht reintreten wenn man sich nicht ganz sicher ist, wie tief sie sind, sonst hat man ganz schnell sehr nasse Füße.

Hier ein kleines Beispiel für so einen Minisee mitten auf der Straße (ja es ist eine Straße, kein venezianischer Kanal). Ich kann nicht genau sagen, wie tief dieses Binnenmeer wirklich ist, aber wenn ein Boot ...ähem...Auto durchschwimmt ist die Bugwelle schon so einen gefühlten Meter hoch.



Random Kitchen Art

Heute war wieder ein Study Day, trotzdem hier ein paar kleine Bildanekdoten vom "Life at Campus":

Es fing alles an mit einer simplen Kennzeichnung eines Eis im Kühlschrank
Dann kann man Eier natürlich auch als Schreibunterlage benutzen: "What do you call this in English?"
Russische Mädels sind kreativ...

So wirds gemacht...einfach flechten und dann eindrehen und feststecken
Naja, die Idee ist klar oder?

Samstag, 12. März 2011

Shapka

Heute sind wir zu einem Markt gefahren, auf dem es praktisch nur Touristenzeugs gibt, aber viel billiger als in der Stadt. Meistens finde ich ja so typische Souvenirs eher doof, aber ein paar Erinnerungen muss man ja schon mit nach Hause nehmen.

Das erklärte Ziel des Tages war erstmal, eine russische Shapka, also Pelzmütze zu kaufen. Also gesagt, getan, und wir finden, das Ergebnis kann sich sehen lassen:

Ich hab leider vergessen zu fragen, aber ich glaube es ist Fuchs
Alex in Bieber
Camille in Silberfuchs

Die Mützen sind auf jeden Fall wunderbar warm und kuschelig. Wir sind zwar etwas spät dran mit kaufen, aber der nächste Winter kommt bestimmt.

Abgesehen von Pelzmützen gibt es dort aber noch viele andere Sachen, von Matrjoschkas über Geschirr, Ostereier und Stoff bis zu Schmuck und Teppichen. Ich hab mich erstmal vornehm zurückgehalten und mir nur ein Paar Ohrringe gekauft, aber wir haben uns fest vorgenommen, noch mindestens einmal dort hinzugehen und uns dann mit Mitbringseln für daheim einzudecken (Bestellungen werden also jetzt entgegen genommen). Und noch mit ein paar anderen Sachen, die vielleicht nicht unbedingt typisch russisch sind, aber trotzdem hübsch (wie z.B. Geschirr für meine zukünftige Wohnung ^^)

Überhaupt war es ziemlich lustig, trotz nasskaltem Wetter, v.A. wenn die Verkäufer nicht wissen, in welcher Sprache sie einen anreden sollen, und es dann mit "Dewuschka, Miss, Mademoiselle" versuchen.

Der Markt von oben
Kann mir vielleicht jemand sagen, was das für ein Vieh ist?



Freitag, 11. März 2011

Kunst in der Metro

Heute war eigentlich ein ganz normaler Unitag, aber eine kleine Anekdote möchte ich doch noch mit euch teilen.

Heute morgen in der Metro, kurz nach der Station Park Pabedy, packt das Mädel neben mir plötzlich ein Notizbuch und einen Stift aus und fängt an, eine alte Frau mit Kopftuch zu zeichnen. Mit nur ganz wenigen Strichen gelingt es ihr, das Gesicht der Frau einzufangen. Und ist rechtzeitig fertig, um an der Station Kievskaya mit mir auszusteigen (für die Wikipediafaulen: es ist die nächste Station).

Mittwoch, 9. März 2011

Nachtrag zum Frauentag

Wie vielleicht der eine oder andere mitbekommen hat, war gestern der 100. Internationale Frauentag. Während dieser Tag in Deutschland ja nun eher wenige interessiert, ist er hier in Russland ziemlich wichtig.

Während der Sowietzeit hatte das eher politische Hintergründe, das ist aber schon lange in Vergessenheit geraten. Stattdessen kann man ihn wohl am ehesten mit dem Valentinstag vergleichen, nur mit dem kleinen Unterschied, dass es ein staatlicher Feiertag ist, und dass die Frauen im Mittelpunkt stehen. Als Mann schenkt man(n) also der Frau seines Herzens einen Blumenstrauß. Dabei ist man aber keineswegs auf Rosen festgelegt, sondern es sind eher richtig aufwendige Sträuße oder auch Tulpen angesagt, es ist ja schließlich schon Frühling. Es werden aber nicht nur die Angebetete, sondern auch andere Frauen beschenkt, die einem wichtig sind, wie die Mutter z.B. (in Russland gibt es keinen Muttertag). Deswegen hat man auch schon seit Donnerstag in der Uni und in der Metro sehr viele Frauen mit Blumen durch die Gegend laufen sehen. Aufgrund des langen Wochenendes sieht man die Arbeitskolleginnen ja erst wieder nach dem Feiertag, und wer will schon verspätet Blumen bekommen?

Wir waren ja ein bisschen gespannt, ob einer von "unseren" Jungs auch auf die Idee kommt, uns zu beschenken. Aber Pustekuchen, kein Verlass auf die Jugend von heute. Dafür hat aber Andreij, unser Nachbar und der einzige Mann auf unserem Stockwerk daran gedacht, und uns einen kleinen Blumengruß hinterlassen:

"C 8 marta", also etwa "Zum 8. März"
An diesem Satz kann man vielleicht auch erkennen, was die kyrillische Schreibschrift so gemein schwer macht. Buchstaben, die in Druckschrift leicht zu identifizieren sind, wie das т oder das д (das d) sehen in Schreibschrift völlig anders aus. Das т wird wie man sieht zum т, und das д zum g, keine Ahnung warum, kann auf jeden Fall sehr verwirrend sein.

Montag, 7. März 2011

Masleniza II

Heute war der letzte Tag von Masleniza. An diesem Tag soll man allen Leuten verzeihen, mit denen man im letzten Jahr Probleme hatte. Da früher das russische Jahr mit dem Frühling angefangen hat, ist der Hintergrund, dass man ohne Altlasten ins neue Jahr starten kann.

Heute ist auch großer Volksfesttag, überall kommen die Leute zusammen, um nochmal Blini zu essen und außerdem Masleniza-Puppen zu verbrennen, um so symbolisch den Winter auszutreiben. Alex und ich sind mit 4 Russen/Kasachen losgezogen, um uns das ganze aus der Nähe anzusehen.

Das erste Erlebnis der russischen Art hatten wir schon vor dem Eingang zum dem Park, in dem das Volksfest stattfand. Da gab es nämlich eine riesige Schlange an der Kasse (aus irgendeinem Grund musste man da Einritt zahlen, aber auch nicht wirklich viel). Wir hatten natürlich keine Lust zu warten, aber netterweise hat sich Andreij aufgemacht, um das ganze landesgemäß abzukürzen. Man gehe also zu dem Kontrolleur am Einlass und frage ihn, für wie viel er einen so reinlässt. Nachdem das sogar weniger war als der eigentliche Eintrittspreis, hatten wir alle was davon und waren glücklich. Korruption ist also ansteckend :-)

Das Volksfest selber war eigentlich wie jedes andere auch, wenn auch mit wenig Fahrgeschäften, dafür mehr "traditionelle" Belustigungen. So zum Beispiel Gewichtestemmen mit 32 kg schweren Kugeln. Das lustige ist ja eigentlich, dass im Uni-eigenen Fitnessstudio laut Alex diese Woche auch solche Kugeln rumlagen, wohl damit die Russen trainieren und dann ihren Freundinnen imponieren  können. Eisrutschen, Ponyschlitten und Pfannkuchenstände durften natürlich auch nicht fehlen. Alex hat sich auf jeden Fall wacker geschlagen. Das regelmäßige Training zahlt sich also langsam aus.


Danach sind wir noch was trinken gegangen. Es war ziemlich spannend, weil ich 2 der Russen vorher praktisch nicht kannte, obwohl sie direkt neben uns wohnen. Sie sind etwa in unserem Alter und seit Herbst verheiratet. Ursprünglich kommen beide aus Kasachstan, aber jetzt arbeitet sie hier in Moskau  und er studiert noch. Das krasse ist, dass er Maschinenbau studiert, aber hier in Russland grade mal ein Gehalt von ca 500€ erwarten kann. Das ist schon recht heftig, wenn man das mal mit dem deutschen Einstiegsgehalt vergleicht.

Danach gabs noch einen kleinen Abstecher zum Roten Platz, wo eine Show stattfand, die wir uns aber nur von jenseits des Zaunes angeschaut haben. Dass man auch da sehr viel Spaß haben kann, beweist dieses Video: http://www.youtube.com/watch?v=W4_kNQSwd9M 


Zurück daheim gab es dann nochmal Blini für alle, auch wenn sich das Herstellen ziemlich in die Länge gezogen hat, so dass wir erst gegen halb 12 zu Abend essen konnten. Es hat sich aber gelohnt. Hier noch ein paar Fotos des Tages, allerdings diesmal alle von Alex geschossen. Man merkt vielleicht auch, dass das mit dem Winter austreiben noch nicht so richtig geklappt hat, zwischenzeitlich hat es ganz schon heftig geschneit, zum Glück aber nur kurz.


Andreij beim Gewichtestemmen


Ich, Arpine, Oleg, Varya und Andreij




Das historische Museum

Sonntag, 6. März 2011

Dinner at George's

Heute war schon ein ganz besonderer Samstag. Dazu sollte man wissen, dass am Dienstag in Russland ein Feiertag ist, nämlich Frauentag. Weil die Russen aber gerne 3 Tage am Stück freihaben, machen sie aus dem Montag einen Brückentag. Das ist an sich ja noch ganz normal und verständlich, aber die Art und Weise, wie sie diesen Arbeitstag wieder "reinholen", ist für uns schon ein wenig ungewöhnlich. Hier wird nämlich einfach der Montag auf den Samstag verschoben, d.h. für uns, dass wir heute die Vorlesungen vom Montag hatten. Je länger man darüber nachdenkt, desto wirrer wird die ganze Geschichte, z.B. ist ja dann die Reihenfolge der Tage Freitag, Montag, Sonntag, Sonntag, Sonntag Mittwoch. Oder so ähnlich...

Auf jeden Fall hatten wir heute Uni, und eins kann ich euch sagen, 3 Stunden Russischunterricht sind am Samstag noch viel anstrengender als am Montag. Danach sind Emma, Camille und ich noch eine Runde shoppen gegangen für Montag, weil da eine Party mit dem Dresscode Weiß/Gold stattfindet. Und da muss man sich ja schon zumindest mit ein paar glitzrigen Accesoires ausstatten. Wir müssen ja auch ein bisschen mit den Russinnen mithalten. Danach waren wir bei George zum Essen eingeladen, japanisches Curry. Das war sehr lecker, wenn auch nicht eindeutig als japanisch identifizierbar. Allerdings hab ich ja auch nicht allzu viel Ahnung von japanischer Küche.

Dann haben wir Karten gespielt, erst ein russisches Spiel, dann ein schwedisches, das aber im Prinzip genauso funktioniert wie Wizard, so dass ich gleich im Bilde war. Lustigerweise kannte George auch schon ein ähnliches Spiel, das anscheinend die Fortgeschrittenenversion davon ist. Da es aber wohl ein bisschen kompliziert ist, bekommen wir es ein ander Mal erklärt. Trotzdem spaßig, dass es manche Spiele überall gibt.

Emma und ich sind dann mit dem letzten Bus nach Hause, die Anderen sind noch weggegangen. Daheim haben wir dann Maxime gesehen, der sich anscheinend gestern mit irgendwelchen Russen geprügelt hat. Der sieht echt schlimm aus, ein halber Zahn weniger und ein fettes blaues Auge. Autsch.

Übrigens habe ich doch gestern erzählt, dass es langsam Frühling wird. Nun ja, heute war es recht stürmisch (man hört hier immer so schön den Wind um das Haus pfeifen) und es hat zum ersten Mal seit langem wieder geschneit. Ziemlich eklig also, v.A. weil es gleichzeitig doch schon ziemlich warm ist. Gefühlt zumindest, im Moment liegen die Temperaturen so um den Gefrierpunkt, was bedeutet, dass jetzt auch langsam wieder überall Pfützen auftauchen, die einem das Leben nur unnötig schwer machen. Ich hoffe, es wird entweder wieder ein bisschen kälter oder es taut richtig, aber so ein Zwischending ist einfach blöd.

Freitag, 4. März 2011

Moscow Festival of Snow and Ice

So, heute konnten wir nach der Uni erstmal unsere Studenten Metrocard holen, was erstaunlicherweise auch völlig ohne Probleme geklappt hat. Nun können wir also unbegrenzt für nichtmal 10 € im Monat Metro fahren.

Das haben wir dann gleich genutzt, um das Moscow Festoval of Snow and Ice zu besuchen. Wir haben davon zufällig durch einen Zeitungsartikel erfahren, und konnten uns den Spaß natürlich nicht entgehen lassen. Vor allem mussten wir uns beeilen, weil endlich auch hier in Moskau so ganz langsam der Frühling einkehrt.

Es ist eigentlich gar kein richtiges Festival, mehr eine Ausstellung von Skulpturen aus Schnee und Eis, sowie ein paar Kinder-Belustigungsanlagen. Aber seht selbst:










2 meiner Mitbewohnerinnen, Camille (links) und Emma









Man beachte Emma im Hintergrund
Auf der Heimfahrt hatten wir dann einen leicht verrückten Busfahrer. Er war anscheinend der Meinung, dass jemand nicht bezahlt hatte, und wollte deswegen erst die eine Frau nicht aussteigen lassen. Danach war er so sauer, dass er mega ruckelig gefahren ist, so dass alle Passagiere in dem grerammelt vollen Bus kräftig durchgeschüttelt wurden. Ich hab ja eigentlich nur noch darauf gewartet, dass er handgreiflich wird. Das ist dann aber zum Glück nicht passiert, und wir sind heil zu Hause angekommen.

Mittwoch, 2. März 2011

Maleniza

Wie wir erst heute erfuhren, ist diese Woche Masleniza, also Butterwoche. Dabei handelt es sich um ein russisches Fest, das eine Woche lang dauert. Es ähnelt ein bisschen dem deutschen Fasching, weil es darum geht, den Winter auszutreiben. Außerdem beginnt mit Ende der Masleniza die Fastenzeit vor Ostern.

Auch in Russland mussten also Butter, Eier und Milch aufgebraucht werden. Statt Krapfen machte man daraus aber Bliny, also Pfannkuchen. Mit denen kann man sich hier nun eine Woche lang den Bauch vollschlagen. Sogar in der Mensa gibt es welche.

Für mehr Informationen: http://de.wikipedia.org/wiki/Butterwoche

Zur Feier des Tages werden wir uns heute der Tradition anschließen und Pfannkuchen machen. Das Fasten lassen wir dann wahrscheinlich aus, aber wir haben schon Pläne geschmiedet, Ostern dieses Jahr russisch-orthodox zu feiern. Wir wissen noch nicht so genau, was da alles dazugehört, aber wir sitzen ja an der Quelle und haben auch noch ein wenig Zeit, uns zu informieren.

Übrigens, falls sich noch jemand daran erinnert, ich habe micht im Eintrag von Tag 3 gefragt, warum in einem Park in Moskau verschneite Panzer herumstehen. Nun, heute habe ich die Antwort darauf bekommen: In dem Park ist ein Museum über den 2. Weltkrieg (das nebenbei sehr gut sein soll, also ab damit auf die To-Do Liste), und im Park sind Panzer aus verschiedenen Ländern ausgestellt. Das beruhigt mich irgendwie ein bisschen, dass die russische Armee nicht einfach so ihre Fahrzeuge irgendwo zum überwintern stehen lässt.

Weitere Neuigkeit des Tages: Die russische Polizei soll jetzt umbenannt und umstrukturiert werden, um den schlechten Umfragewerten entgegenzuwirken (anscheinend vertraut ihnen nicht mal die Hälfte der Russen). Bei der Gelegenheit sollen dann auch mal schnell 100 000 Polizisten entlassen werden. Ziemlich lustig eigentlich, die müssen anscheinend einen Test schreiben und wer den nicht besteht, fliegt raus. Russland halt. Umbenannt werden sie übrigens von Milizia zu Polizei. Ich weiß noch nicht, wie genau dass dann auf Russisch heißt, da im Moment noch alle in den alten Uniformen rumlaufen. Im Moment hat sich also noch gar nichts geändert. Und ob man allein durch so eine Schönheitsoperation Korruption und andere Probleme beheben kann, scheint mir auch ein bisschen fraglich.

Dienstag, 1. März 2011

Ice Ice Baby

So, das erse Highlight des Tages war heute mal wieder die Erfahrung, wie überraschend es sein kann, wenn man sein Essen in der Mensa fast ausschließlich nach der äußeren Erscheinung auswählt. Da kann es schon mal passieren, dass sich das, was man für ganz normales Geschnetzeltes gehalten hat, als gut getarnte Leber entpuppt. Naja, dafür hat es ganz gut geschmeckt.

Die zweite Erfahrung war, die Presentation Skills der Russen bewundern zu dürfen. Während bei uns viel Wert auf ein sicheres Auftreten und freie Rede gelegt wird, setzen sich die russischen Studenten hinter den Laptop (damit man sie möglichst wenig sieht) und lesen wenn es sein muss den ganzen (zu Hause ausformulierten) Text vor. Andere Länder, andere Sitten...

Nach der Vorlesung bat mich ein ehemaliger Campus-Bewohner, der ein Auslandssemester in Deutschland machen will, für ihn bei der deutschen Botschaft in Moskau anzurufen, da er Verständigungsprobleme hatte. Der arme Nikita wartet nämlich schon seit einem Monat vergeblich auf sein Visum. Also rief ich da an, um nach dem Stand der Dinge zu fragen (offensichtlich muss die zuständige Ausländerbehörde in Deutschland das Okay geben, bevor man ein Visum bekommt, und auf das wartet er im Moment). Beim ersten Versuch ging niemand ans Telefon, beim zweiten Mal informierte mich der Herr am anderen Ende der Leitung, dass in der zuständigen Abteilung heute niemand mehr ans Telefon ginge (Es war halb 3, die Abteilung sollte von 12 bis 17 Uhr erreichbar sein). Auf meine Frage, ob denn dort niemand mehr sei, bekam ich zu hören, dass dort schon noch gearbeitet werde, nur das Telefon wird nicht mehr beantwortet. "Morgen dann wieder?" - "Ich hoffe mit Ihnen."
Ich war schon ein bisschen geschockt über diese Antwort. Ich dachte ja immer, es sei schwierig, nach Russland zu kommen, aber anscheinend ist es in die andere Richtung noch viel schwieriger. Und dann noch so eine "russische" Aussage, ohne Erklärung und alles...Unglaublich.

Was auch unglaublich ist, ist die Dreistigkeit des Campus-Monsters. Ich habe ja schon vor einiger Zeit mal erwähnt, dass uns Essen aus dem Kühlschrank geklaut wird. Letzte Woche sind dabei unter Anderem 7 (!!) Tafeln Schokolade verschwunden. Seit 2 Tagen haben wir Nachts immer die Tür abgeschlossen, um weiteren Diebstählen vorzubeugen. Allerdings hatte Albina schon vorher eine offene Dose Mais, eingepackt in eine Plastiktüte, verknotet, ganz hinten in den Kühlschrank gepackt. Heute holt sie die Tüte raus, und sieheda: kein Mais mehr in der Dose! Ganz ehrlich, wer macht sowas? Und stellt dann die leere Dose wieder in die Kühlschrank?! Hoffentlich hilft das mit dem Abschließen in Zukunft.

Um den Tag positiv abzuschließen, hier noch ein paar Bilder, die die Straßenverhältnisse in den letzten Wochen ein bisschen besser illustrieren sollen. Nachdem es schon länger nicht mehr schneit und es immer wärmer wird (wir nähern uns wieder dem Gefrierpunkt), sind schon seit ein paar Tagen Leute damit beschäftigt, das Eis von den Straßen unseres Districts zu hacken. So konnten wir zum ersten Mal sehen, wie dick die Kruste war, und zumindest ich finde das schon ein bisschen beeindruckend. Das wird glaube ich nur noch davon getoppt, wenn wir rausfinden wie weit der Pfad im Schnee zum Bus wirklich über dem Boden ist. Aber seht selbst: