Montag, 28. Februar 2011

Der Ernst des Lebens

Nachdem die letzte Woche zumindest für mich krankheitsbedingt eher stressfrei war, geht es diese Woche wieder so richtig mit dem Arbeitsalltag los.

Zum Einen müssen wir morgen eine kurze Arbeit abgeben und ein Referat  halten, zum Anderen ist unsere Russischlehrerin in alter Frische wieder zurück und hat uns direkt mit Hausaufgaben bombardiert. Alles, wozu in der Uni keine Zeit ist, müssen wir zu Hause machen und ihr abgeben. Das war zumindest dieses Mal ziemlich viel, aber sonst lernen wir es wahrscheinlich nie :-) Ich werde also versuchen, mich nicht zu sehr zu beschweren. Und wenn einen mitten in der Nacht (also für mich, die ich normalerweile nach Einbruch der Dunkelheit am liebsten gar nichts mehr mache, eine mehr als untypische Zeit) mal wieder der Arbeitseifer packt, ist das eigentlich auch alles kein Problem.

Heute früh war mal wieder großer Polizeiaufmarsch in der Stadt. Auf dem Weg zur Uni kommen wir an irgendeinem offiziellen Gebäude vorbei, eine Präfektur oder so. Ich kam noch ohne Probleme durch, hab mich nur ein bisschen über die abgesperrten Straßen und die vielen Polizisten gewundert. Aber zwei Franzosen, die nach mir da vorbei kamen, meinten sie wurden nicht durchgelassen, und dass wohl der Präsident höchstpersönlich dort vorgefahren sei. Naja, vielleicht haben sie auch einfach nur verschlafen, aber prinzipiell könnte die Geschichte schon stimmen. Hier werden ka auch zehnspurige Straßen für 20 Minuten komplett gesperrt, nur um ein paar schwarze Limousinen durchzulassen.

Auf dem Heimweg heute konnte ich direkt mal wieder aus dem Fenster schauen, was ja nicht allzu häufig vorkommt. dabei sind mir zum ersten Mal wirklich die Unmengen an Wohnblocks aufgefallen, die so unseren Weg säumen. Je weiter man stadtauswärts fährt, desto eher gleicht die Umgebung einem Dschungel aus kreuz und quer stehenden gleichförmigen Blocks, die einem die Aussicht versperren. Die Bilder sind zwar woanders aufgenommen, aber es sind tatsächlich die exakt gleichen Häuser...




Samstag, 26. Februar 2011

Historisches Museum

Heute haben wir es endlich geschafft, ins Historische Museum am Roten Platz zu gehen, nachdem wir das schon ca 2 Wochen vor uns herschieben. Es war lächerlich billig (2€ für Studenten) aber sehr interessant, weil man dort praktisch die gesamte Geschichte Russlands von der Steinzeit bis ca Anfang des 20. Jahrhunderts besichtigen kann. Besonders beeindruckt waren wir Mädels von den vielen goldenen Schmuckstücken/Besteck/Buchdeckeln, die teilweise mit unglaublich vielen Details ausgearbeitet waren.

Abgesehen von den Ausstellungsstücken ist aber auch das Museumsgebäude an sich sehenswert, da es innen im "russischen" Stil über und über bemalt und sehr prunkvoll ausgestattet ist.

Danach hatte uns der kleine Hunger gepackt, und ich wurde in ein japanisches Restaurant entführt. Anhand der Karte merkte man zwar, dass sich Japaner nicht ausschließlich von rohem Fisch ernähren, aber das war ja der Grund weswegen wir da waren. Klein Anna bekam also zum ersten Mal Sushi vorgesetzt. Und sieheda, es war ziemlich lecker :-) Und, so leid es mir tut das hier so öffentlich sagen zu müssen, aber die Suppe davor war auch ziemlich toll; so toll, dass sie schon fast an Omas berühmte Fleischbrühe herankam...

So schmiedeten wir während des Essens eifrig Pläne, was wir noch alles besichtigen wollen (und wo wir noch alles essen gehen wollen ^^ manche Dinge ändern sich nie) und brachen guter Dinge wieder nach Hause auf. Es sind eben doch die kleinen Dinge im Leben, die einen glücklich machen. Dann kann einem nicht einmal mehr die moskauer Eiseskälte ernsthaft etwas anhaben. Obwohl, heute war es ja eigentlich ziemlich warm in der Sonne, so -13° oder so, das ist ja noch im Rahmen.

Mittwoch, 23. Februar 2011

Walking in a Winter Wonderland

Heute ist in Russland Feiertag, offiziell Tag der Verteidiger des Vaterlandes und inoffizieller Männertag. Ergo haben wir heute schulfrei und ich habe mal wieder einen Grund, mich zu Hause rumzudrücken. Da mir aber leider langsam schon die Decke auf den Kopf fällt, ich aber auch noch keinen Bock habe, nach Moskau reinzufahren, war ich eigentlich ganz froh, dass Alex mich zu einem Waldspaziergang eingeladen hat. Dabei konnten wir die Dachgeschosse/Schornsteine der russischen Oberschicht besichtigen, die sich hinter einer hohen Mauer verstecken (mehr dazu unten).

Beim durch den Wald stapfen sind ein paar nette Bilder entstanden, leider bin ich auch fast erfroren dabei. Man sollt halt auch nicht mit nur einer Hose rausgehen...eine Stunde später ist mir immer noch kalt.

Lustig ist auch, wenn man auf ausgetretenen Pfaden duch/über den Schnee läuft. Da wo es festgetreten ist, sinkt man nicht ein, aber wehe man ist ein paar Zentimeter daneben, dann sinkt man sofort mindestens bis zum Knie ein. und wenn der Trampelpfad von Reifenspuren durchkreuzt wird, muss man eben springen (natürlich bitte nur auf den Pfad, also gut zielen).


Diese Birka hat sich unter der Last des Schnees einfach mal kurz zum ausruhen hingelegt. Ansonsten geht es ihr aber gut, soweit wir das beurteilen konnten.

Alex wollte sie von ihrem Elend befreien, hat es dann aber doch lieber gelassen, weil es ziemlich kalt war und außerdem eine Menge Schnee an so einem schlanken Bäumchen hängen kann





 Zu diesem Bild noch ein paar abschließende Worte. Die Mauer, die hier zu sehen ist, ist an sich sicher schon 3 Meter hoch, wenn nicht noch mehr (mit dem Schnee ist das schwer zu sagen). Dann kommt noch dieser dekorative Zaun plus Stacheldraht. Die Videokameras überall muss ich ja schon fast nicht erwähnen, die sind hier ja schon fast Standard...und was lernen wir daraus? Wir sind einfach noch auf der falschen Seite des Zauns, erst wenn man von seiner Umwelt nichts mehr mitbekommt und sich hinter Mauern und Sicherheitsposten verstecken muss, hat man es in Russland erst richtig geschafft.

Dienstag, 22. Februar 2011

Krank

Bei zweistelligen Minusgraden ist es wohl kein Wunder, wenn man sich ein Erkältung einfängt. Ein weiterer Shoppingtrip zu Auchan am Sonntag Abend hat mir dann den Rest gegeben. Zum Glück ist unsere Russischlehrerin im Moment auch krank, so dass wir eh kaum Uni haben. Und morgen ist auch noch Feiertag hier.

Also bitte nicht wundern, wenn ich im Moment etwas schweigsam bin, aber mein genauer Taschentücherverbrauch interessiert ja wohl die wenigsten (auch wenn der doch schon ziemlich beachtlich ist ^^)

Ich hoffe also, dass es mir bald wieder ein bisschen besser geht, so dass ich mich wieder aus dem Haus trauen und euch mit neuen Geschichten versorgen kann.

Freitag, 18. Februar 2011

Die russische Bürokratie als solches

Heute durften wir mal wieder an ein paar wundervollen Beispielen live miterleben, wie Bürokratie in Russland funktioniert.

Zunächst lief alles ganz normal, wir hatte International Corporate Finance und es war auch gar nicht mal so schlecht, v.A. weil wir sie nebenher über Putins Vermögen, Korruption in Russland und die Herkunftsländer des Gemüses in Russland befragt haben.

Danach stellte sich raus, dass die Russischstunde ausfiel. Das war verwunderlich, da auf dem Aushang nur stand, der Fortgeschrittenenkurs würde ausfallen, und wir sind ja Intermediate. Naja, ich fands nicht so schlimm, weil ich ja vorher schon Vorlesung hatte. Aber andere sind extra für Russisch gekommen, und wenn 3 Stunden Busfahrt umsonst sind ist das schon ärgerlich.

Mit ein paar französischen Jungs hab ich dann die Gelegenheit beim Schopf gepackt und wir sind unsere Schülermonatskarten für die Metro beantragen gegangen. Eigentlich sollte das einer von der Student Union mit uns machen, aber da wir es nie schaffen, alle zusammen irgendwo hinzugehen, ist es wohl bedeutend schneller, selber hinzugehen. Schließlich ist die Monatskarte um Klassen billiger, als sich immer 20er Karten zu kaufen.

Wir bewegen uns also auf Umwegen zur Station Park Kultury (auf Umwegen, weil diese Station im Moment für eine der beiden Linien gesperrt ist, was manche Strecken dreimal so lang macht). Dort galt es dann erst mal, den richtigen Ausgang mit der richtigen Kasse zu finden, denn nicht an jeder Kasse kann man die Monatskarte beantragen. Als das schließlich geschafft war, stand die "nette" Dame am Schalter vor dem Problem, dass in den Formularen der Jungs Angaben fehlten. Diese waren zwar absolut identisch mit meinen und sie hätte sie ohne Probleme selber eintragen können, aber dazu machte sie keine Anstalten. Sie stopfte nur die Formulare zurück durch den Schlitz. Ich glaube, wenn wir selber keinen Kuli dabeigehabt hätten, wären wir aufgeschmissen gewesen. Schließlich, nachdem sie noch Passkopien und Studentenausweise genauestens studiert hatte, nahm sie unsere Anträge (zähneknirschend) doch noch an. Jetzt müssen wir nur noch 2 Wochen warten, dann können wir endlich unbegrenzt Metro fahren.

Auf dem Nachhauseweg hab ich mich dann gleich noch in einer Metrostation verlaufen. Dort kommen 4 Linien zusammen, und vor lauter Verwirrung bin ich im Kreis gelaufen und wieder zurück zu der Linie, wo ich herkam. Beim zweiten Anlauf hats dann aber geklappt :-) Man sollte halt seine Gedanken schon zusammen haben wenn man umsteigt...

Kleiner Hinweis in eigener Sache: Man beachte bitte die Reaktionsfunktion gleich unter jedem Post, die ich gerade ganz neu entdeckt habe. Bitte fleißig benutzen :-)

Donnerstag, 17. Februar 2011

Icehockey - Давай!!!!

Nachtrag von gestern:

Nachdem wir wieder eine Stunde Russia Country Studies überstanden hatten (hier ein Teil des Unterrichtsmaterials, ich sage nur "Beet Root Soup" http://hotforwords.rt.com/ ) und auch Russisch gut hinter uns gebracht hatten, ging es auf zum lange erwarteten Eishockeyspiel.

Nachdem wir erst das Stadion nicht gefunden hatten und so 45 Minuten durch die Kälte gestapft/gerannt/geschlittert sind, kamen wir nur etwa 5 Minuten zu spät und waren erstmal froh, uns ein bisschen aufwärmen zu können. Ja, im ersten Moment kam es uns tatsächlich sehr warm vor in der Eishalle :-)

Da ich ja nun leider keine Ahnung von Eishockey habe, kann ich nur meine ganz persönlichen Eindrücke von diesem Spiel wiedergeben. Besonders zu erwähnen sind:
  • die Cheerleader, die einsam über jedem Treppenaufgang eine 20 Minuten lang immer das selbe getanzt haben, ob gerade Musik gespielt hat oder nicht.
  • Die Schiedsrichter, die in regelmäßigen Abständen über einen vorbeischießenden Puck springen mussten.
  • Der gut gebaute Mann, der die Eismaschine (nennt man das so?) gefahren hat
  • Die Schlägerei nach Ende der regulären Spielzeit
  • Die Spieler, die sich "aus Versehen" gegenseitig in die Bande rammen
Zunächst dachten wir ja, das "unser" Team Цска, sprich Zeska, gegen Metallurg haushoch verlieren würde. In der halbleeren Halle war auch noch keine besonders gute Stimmung. Erst im dritten Drittel lebten sie dann auf (das liegt sicher auch dran, dass wir ihnen so zugejubelt haben, als sie wieder aufs Feld kamen). Plötzlich schossen sie ein Tor nach dem anderen und schafften auch kurz vor Schluss gerade noch den Ausgleich. Erstaunlich, wieviel besser die Stimmung plötzlich war. Bis auf die anwesenden Armee/Polizeibrigaden hörte man plötzlich von allen Seiten Anfeuerungsrufe (Das Dawaaaaaaj aus der Überschrift war eh Thema des Tages, das kam auch schon auf der Suche nach dem Stadion ständig zum Einsatz).

Als der Ausgleich kam, war die Glückseligkeit schon fast perfekt, und sogar der buchlesende Mann der das Pech hatte, zwischen 20 Ausländern zu sitzen taute etwas auf. Nachdem dann noch ein Spieler von Zska augenscheinlich seine Schlägerei gewonnen hatte, war alles wieder in Ordnung, und es störte groß niemanden mehr, dass sie beim "Elfmeterschießen" (Mist, das heißt in dieser Sportart sicher anders) verloren haben.

So waren wir schlussendlich eigentlich doch noch ganz zufrieden mit unserem Spiel und fanden auf dem Heimweg auch gleich die Metrostation (in die Richtung ging es irgendwie viel schneller als auf dem Hinweg), was ein Glück war, da die Nasen auch in der kurzen Zeit schon abgefroren waren. Ich sollte mir dringend eine Pelzmütze zulegen. Das wäre dann auch schon der erste Schritt zur Russifizierung :-)

Man beachte bitte auch den "Schlachtruf"  Dawai

Ein einsamer Cheerleader




Naja, das Tor muss ja auch nicht immer am gleichen Platz stehen...

Eine kleine Platzwunde wird verarztet, das war aber auch das ganze Blut im ganzen Spiel :-) Dafür hat er hinterher noch ein Tor geschossen



"Elfmeterschießen"

Schön wars


Dienstag, 15. Februar 2011

Tag 16 - Neues aus der Eishölle

Also erst mal dass wir uns hier richtig verstehen: Heute war es RICHTIG kalt, sogar so kalt dass selbst ich keine Augen mehr für den Schnee hatte, und das will ja schon was heißen. In Zahlen:

Ich finde ja, -18° als höchste Temperatur anzugeben ist schon fast ein bisschen unverschämt
Naja, trotz meiner Eskimobekleidung (Leggings unter der Hose, zusätzliche Wollsocken, Pulli, Strickjacke, Fleecejacke, Anorak, Mütze, Kapuze) war es ganz schön kalt, wenn man nicht grade in der Sonne unterwegs war. Wenn dann noch ein bisschen Wind ging, musste man einfach die Kapuze aufsetzen, weil die Kälte sonst durch die Mütze hindurch wehgetan hat. Ekelhaft. Ich weiß, ich habs mir selber ausgesucht, aber das ist einfach nicht mehr lustig. Und für mich eine absolut neue Erfahrung. Ich finde also, ich darf schon ein kleines bisschen jammern. Bin ja auch schon fertig :-)

Heute morgen auf dem Weg in die Uni erfuhren wir, dass die heutige Vorlesung ausfallen würde. Da wir eh schon fast da waren, beschlossen wir einfach doch mal hinzugehen um zu schauen, ob sich sonst noch was geändert hatte. Im siebten Stock angekommen traf ich vor dem schwarzen Brett eine Gruppe von Austauschstudenten, die mit Ekaterina, Head of International Office, diskutierten. Sie war etwas aufgebracht, weil kaum jemand von uns ihre Mail gelesen hatte, in der sie uns mitgeteilt hat, dass die Vorlesung ausfällt. Dabei hätte sie uns doch gesagt, wir sollten täglich unsere Mails checken usw... Wir erklärten, dass es uns gar nichts ausmache, umsonst so früh gekommen zu sein. Schließlich war es ja nicht ihr Fehler. Später stellte sich raus, dass sie die Mail erst 45 Minuten vor Beginn der Vorlesung gesendet hatte. Eigentlich müsste sie genau wissen, dass wir vom Campus aus mehr als eine Stunde unterwegs sind, um diese Zeit wäre also absolut niemand mehr zu Hause gewesen, um die Mail noch rechtzeitig lesen zu können. Russische Logik...naja.

Ich hab dann erst noch meine Russischhausaufgaben gemacht, wo ich ja eh schon da war, und bin dann trotz der Kälte noch ein bisschen Spazieren gegangen, da die Sonne zur Abwechslung mal wieder geschienen hat. Es war zwar saukalt, aber eigentlich sehr hübsch.






Also, bis hier war der Ausflug ziemlich nett. Dann kam ich auf die dümmliche Idee, an diesem Kanal entlangzulaufen. Was ich nich wusste war, dass der Trampelpfad nach der Brücke im Hintergrund nicht weiterging. Ich bin trotzdem mal weitergelaufen, um am anderen Ende wieder auf den normalen Gehweg zu kommen. Ganz schön anstrengend, wenn man bis zum Knöchel einsinkt. Kurz vor Ende des Weges sah ich dann, dass der "Ausgang" abgesperrt war. Also hieß es umkehren und den ganzen Weg wieder zurück. Ganz schön anstrengend. Danach war ich ein bisschen geschafft und wollte mich so langsam wieder auf den Heimweg machen.

Dazu musste ich jedoch erst mal wieder eine Metrostation finden. Die von der ich herkam hätte ich zwar wieder gefunden, aber das ist ja langweilig. Also trabte ich weiter in die Richtung, in der ich die Moskwa vermutete. Das war zum Glück auch die Richtige, so dass ich bald wieder auf dem rechten Weg war. Der Kreml eignet sich ja schon recht gut als Wegweiser.


Rechts der Kreml, im Hintergrund Moscow City


Von hier aus war es ein leichtes bis zur Metro, die Station kannte ich ja. Ich bin mir nicht sicher, ob heute ein besonderer Tag war, denn auf dem Roten Platz und vor Allem vor dem Historischen Museum und in der Metrostation waren unglaublich viele Polizisten (also deutlich mehr als normal) und auch ein paar Armeefahrzeuge unterwegs. Keine Ahnung was die da wollten.

Die nächste Herausforderung war dann erst mal, die richtige Metrolinie zu finden, da ich nicht den normalen Weg nehmen konnte, weil dort eine Station geschlossen ist. Bis ich dann raushatte, dass ich erst zur grünen Linie wechseln muss, dort ein Stück die Gleise entlang um schließlich zur richtigen Linie zu kommen, hat es ein Weilchen gedauert. Was war ich froh als ich endlich im Bus saß.

Nebenher hab ich noch eine Studie über Verkehrsschilder angestellt. Selbst die Leute auf den Schildern scheinen es genauso eilig zu haben wie die Moskauer. Und das andere war einfach zu schön, um hier nich aufgeführt zu werden.




Ja, und zum Abschluss wie gewünscht noch Fotos von unserer Wohnung. Man beachte bitte die geschmackvolle Bettwäsche (auch das Laken ist im gleichen Design).

Hier mein Bett in fröhlichem gelb, Emmas in dezentem weiß-rosa

Der Flur, links das andere Zimmer, rechts Bad und Toilette, ganz hinten die Küchentür (der Eingang ist rechts)




Montag, 14. Februar 2011

Schokokuchen mit gefrorener Brille

Gestern Abend haben wir noch unseren lange geplanten Schokokuchen gebacken, für den wir uns ja schon extra im Auchan eine Springform gekauft haben. Da die meisten Rezepte leider Nüsse beinhalten, die wir nicht hatten, stießen wir auf ein Rezept für französischen Schokokuchen. Das braucht weder Nüsse noch Backpulver (was schade ist, denn so werden wir nie erfahren, ob wir das richtige gekauft haben. Auf dem Dr. Oetker Backpulver ist doch ein Gugelhupf abgebildet oder? Antworten erwünscht), dafür aber Eischnee. Und richtig, in unserer eher spärlich ausgestatteten Küche gibt es natürlich kein elektrisches Rührgerät. Naja, so kann man sich das Fitnessstudio sparen.

Nachdem wir die Schokomenge eigenmächtig etwas erhöht und auch etwas Kakao hineingeschmuggelt hatten, kam das Teil dann in den Ofen ein Stockwerk höher (richtig, einen Ofen haben wir zwar, der ist aber leider kaputt. Aber netterweise hatte niemand was dagegen, uns ihren Ofen zur Verfügung zu stellen, eher im Gegenteil ^^).

Nun, was soll ich sagen, er war ziemlich toll (vielleicht das nächste Mal etwas mehr Schokolade), und leider so schnell weg, dass es nichtmal für ein Beweisfoto gereicht hat. Ein Kuchen ist eben einfach zu wenig für 16 Studenten.

Übrigens haben wir wieder Zuwachs bekommen, zum letzten Mal glaube ich, wieder ein Deutscher, diesmal von der DHBW Stuttgart. Wir BA-Studenten sind nun also eindeutig in der Überzahl.

Heute war dann wieder ganz normal Uni, nur dass es ganz schön eisig und windig war. So kalt, dass man über der Mütze lieber auch noch die Kapuze aufgesetzt und sich bis zur Nase im Jackenkragen versteckt hat. Dabei beschlägt bekanntlich die Brille, wie einige unter euch vielleicht nachvollziehen können. Naja, und auf dem Heimweg hatte ich den Eindruck, dass das Wasser dann gleich mal an meinen Brillengläsern festgefroren ist. Nicht toll.

Laut Wetterbericht soll es auch die nächsten Tage noch kalt bleiben. Am Donnerstag Abend wollten wir vielleicht auf dem Roten Platz Schlittschuhlaufen gehen. Aber bei -20° tagsüber und -27° nachts überleg ich mir das glaub ich nochmal.

Sonntag, 13. Februar 2011

Shopping

Einkaufen ist hier ja schon so ein Erlebnis. Bis auf einen winzigen Laden hier in der Nähe, der auch noch recht teuer ist, müssen wir ja überall mit dem Bus hin. In der Nähre unserer Bushaltestelle in der Stadt gibt es einen größeren Supermarkt, den wir auch am öftesten Nutzen. Aber am besten und am billigsten kauft man hier bei Ашан ein, ein Ableger der französischen Kette Auchan. Dort war ich dann gestern auch zum ersten Mal, zusammen mit meiner Zimmergenossin Emma.

Einkaufen bei Auchan bedeutet aber erst mal ein Stück mit dem Bus fahren, dann 15 Minuten durch eisigen Wind und Schnee laufen (und dabei MKAD überqueren, die Moskauer Ringautobahn). Belohnt wird diese Mühe jedoch durch ein riesiges Einkaufszentrum, in dem es nicht nur den Supermarkt gibt sondern auch so ziemlich alles andere was man so brauchen könnte wie Restaurants, Schuh- und Kleiderläden. Also nicht, dass man dafür noch extra andere Läden bräuchte, im Auchan selber gibt es nämlich auch schon eigentlich alles. Also wirklich alles.

Von Büchern über Geschirr zu Teppichen, Baumarktartikeln, Schuhen, Kleidern, Schlittschuhen, Spielen, Schreibwaren, Computer, Waschmaschinen...ach ja, Lebensmittel gibt es natürlich auch.

Die sind zwar etwas seltsam sortiert (im Regal "schweizerische und österreichiche Küche" haben wir indische Gewürzmischungen einer schwedischen Firma gefunden), aber man bekommt schon fast alles was man sich wünscht (und einiges was man sich nie vorstellen konnte, wie zB Kaviarchips...die wurden natürlich gleich zu Testzwecken mitgenommen, genauso wie Essiggurke und Dill, Frühlingszwiebel (ich) und Pilze mit Sauerrahm, Krabbe (Emma), Von dem Ergebnis dieses Experiment werde ich natürlich berichten).

Man beginnt auch, international Marken mit englischer Beschriftung (wie sonst hätte ich einen Schaumfestiger finden sollen??) und aussagekräftige Bilder auf Verpackungen zu schätzen zu wissen (von der grinsenden Kuh bis zu den Pilzen hilft einem alles weiter, va wenn man das Wörterbuch vergessen hat). Außerdem lernt man, dass man über den Inhalt von weißen Döschen aus dem Molkereiregal Aufschluss erhält, wenn man die Aufschrift mit Chipspackungen abgleicht (Schluss: Сметана bedeutet Sauerrahm. Ob das wohl was mit dem Herrn Smetana zu tun hat?).

Es ist schon spannend, den Russen beim samstäglichen Wocheneinkauf zuzusehen. Sie lassen ihre Wägen mitten im Gang stehen, wo sich manchmal echte Wagenburgen gebildet haben. Blöd nur, wenn man selbst in einer landet. Ich hab auch noch nie so viele Staus in einem Laden gesehen, da war teilweise fast kein Durchkommen mehr. Naja, das ist halt im Supermarkt nicht anders als im Rest der Stadt.

Nachdem wir dann alles Lebensnotwendige zusammengesucht hatten, gings ans bezahlen. Dort erwies sich mal wieder, dass der Russe an sich sich von nichts aus der Ruhe bringen lässt, von langen Warteschlangen schon gar nicht. In einer Situation, in der ein Aldiverkäufer vor lauter Hektik schon einen Knoten in den Armen und einen Herzinfarkt hätte, unterhält sich der russische Verkäufer in Ruhe mit dem Kunden, packt ihm die Einkäufe säuberlich nach Themen sortiert in 1000 kleine Plastiktütchen, die von einem Laufband automatisch aufgespannt werden (super das Teil, hab leider kein Foto davon) und wartet in aller Ruhe, bis der ältere Herr sein Geld zusammen hat und packt auch danach erst mal einen Stapel zusammengeklebter Tüchen vom erwähnten Laufband weg, bevor der nächste drankommt. Auch mir hat er die Story vom Pferd erzählt, bis ich ihm gesagt hab, dass ich kein Russisch kann (diesen Satz kann ich schon ziemlich gut ^^). Daraufhin hat er mich zwar gefragt, ob ich Englisch kann, aber mehr hat er sich anscheinend nicht zugetraut.

So stiefelten wir dann vollgepackt mit tollen Sachen die das Leben schöner machen zurück zum Bus (Meine Arme sind jetzt mindestens doppelt so lang wie vorher), der zum Glück gleich kam, es war nämlich immernoch ekelhaft kalt. Zu Hause gabs dann erstmal ein Notfallsandwich, um wieder zu Kräften zu kommen nach dem 3-stündigen Trip, bevor wir uns ans Kochen machten. Ich muss schon sagen, so ein Schwedisches Hühner-Gemüse-Curry ist schon was feines :-)

Eigentlich wollte ich ja Abends noch weggehen, aber anscheinend hat es Emma die Bazillenschleuder jetzt endlich geschafft, mich auch anzustecken, so dass mich meine beginnende Erkältung wieder davon abgehalten hat, mich in der Weltgeschichte rumzutreiben. Mist aber auch, aber ich geh dann lieber wieder wenn es etwas wärmer ist. Ist gesünder.

Meine Kameratasche ist übrigens doch wieder aufgetaucht, ich hab wohl nicht richtig geschaut.

Samstag, 12. Februar 2011

Limo-Party

So, gestern Abend fand also die berühmt-berüchtigte Limo-Party statt. Wir konnten uns ja alle nicht so richtig vorstellen, wie ein Auto für 30 Personen aussehen soll, nun also hier die Auflösung:



Und, erstaunlich aber wahr, wir konnten sie sogar ganz gut ausfüllen. So tuckerten wir also 3 Stunden lang durch Moskau, hielten an ein paar fototrächtigen Stellen an um das Ereignis zu verewigen und eventuell auch den Nikotinspiegel wieder anzuheben. Allerdings dauerten diese Stopps nie besonders lange, da es immernoch eisig kalt ist. Dies hielt die ganz harten Kerle zwar nicht davon ab, sich oben ohne ablichten zu lassen, das war dann aber doch eher die Ausnahme.

Hello, Moscow

Am Roten Platz

Moskau bei Nacht
Bei diesem recht feuchtfröhlichen Ausflug scheint meine Kameratasche verloren gegangen zu sein, ich muss wohl also doch wieder auf alte Socken zurückgreifen. Leider habe ich hier keine coolen Zehensocken dabei ;-) Das ist schon etwas ärgerlich, aber man sollte halt auch seine Sachen nicht in den Jackentaschen transportieren.

Abgesehen davon sind wir im Moment ein bisschen irritiert, weil sich anscheinend jemand regelmäßig an unserem Kühlschrank vergreift. Zumindest fehlen Emma bisher unter Anderem ein halber Käse (!!) und eine halbe Flasche Ketchup. Das wäre zwar ärgerlich, aber nicht wirklich schlimm, aber jetzt fehlen auch 100 € aus einem Umschlag auf ihrem Schreibtisch, und das ist ja schon schlimmer. Wir können uns nicht richtig erklären, wer es gewesen sein könnte, weil wir ja gestern alle wegwaren (bis auf Emma), von den Studenten kann es also niemand gewesen sein...Wir werden auf jeden Fall die Chef-Babuschka darauf ansprechen und auch mit der Uni reden. Man will sich ja schließlich in seiner eigenen Wohnung sicher fühlen.

Freitag, 11. Februar 2011

Schön und glitzrig

Heute war sehr schönes Wetter, aber eiskalt. Laut Wetterbericht waren es heute -15°, und genauso fühlte es sich auch an. Leider viel unsere erste Vorlesung heute aus, was wir erst im Bus in die Uni erfuhren. Also beschlossen Pierre und ich, einen kleinen Abstecher zum Bolshoi-Theater zu machen, um uns ein Programm zu besorgen. Hier stellte sich mein Reiseführer zum ersten Mal als nützlich heraus, weil ich dank diesem wusste, dass das Theater im Moment umgebaut wird und dass im Moment alles in einem Nebengebäude abläuft.

Weil wir schonmal da waren, haben wir auch gleich noch eine Runde durch das ZUM, das Luxuskaufhaus nebenan gemacht. das ist von innen nicht halb so schön wie das GUM, aber um ein vielfaches luxuriöser und teurer. Armanianzüge für Dreijährige...gehts noch??

Naja, dann Uni und wieder ab nach Hause. Heute Abend machen wir eine Limo-Party, mal sehen wie das wird. (Das hat nichts mir Cola zu tun)

Und, wer erkennt es wieder?

Die "Aussicht" aus dem Busfenster...alles eingefroren.

Russische Ironie...gesehen vor dem Eingang zu unserer Uni

Donnerstag, 10. Februar 2011

Schneeeeeee

So, nachdem heute mal wieder die Sonne geschienen hat, hab ich gleich mal ein paar Schneefotos gemacht, damit ihr euch mal eine Vorstellung davon machen könnt, mit welchen Hindernissen die Russinnen und ihre hohen Schuhe hier zu kämpfen haben.

Das ist der Weg von unserem Haus weg. Ich sollte hinzufügen, dass die Straße unter dem Schnee eine einzige Eisplatte ist.


Und nur dass wir uns hier richtig verstehen, der Schnee liegt mittlerweile ca einen halben Meter hoch. Deswegen sind hier ja auch ständig Leute damit beschäftigt, ihn akribisch von den Straßen zu kratzen. Leider jedoch nicht überall...


So, das ist unser Haus. Mein Zimmer ist im ersten Stock das hinterste, also ganz links.
Gestern hatten wir einen kleineren Schneesturm, es hat ziemlich viel geschneit und ist auch wieder richtig kalt geworden. Dummerweise hab ich gestern auch den Wetterbericht angeschaut und erfahren, dass es ab morgen bis zum Wochenende -15 bis -20 Grad haben wird. Auf dieses Wissen hätte ich auch gut verzichten können. "Sehr kalt" reich mir schon als Angabe. Naja, jetzt werden morgen halt die schweren Geschütze in Sachen Kälteschutz aufgefahren. Und ich werde versuchen, mich möglichst nicht so viel im Freien aufzuhalten.

Hier auch noch ein Nachtrag zu meinem gestrigen Eintrag:

Der Big Yellow Bus

Hier wird bezahlt, man wirft das Geld einfach dem Fahrer auf die Decke. Der Papierstreifen da sind übrigens Fahrscheine. Die habe ich heute zum ersten Mal gesehen. Allerdings hat man davon keine bekommen, wenn man bezahlt hat. Ist also reine Deko.

Und hier noch ein kleiner Geschmack des Moskauer Verkehrs. Es kann praktisch immer passieren, dass irgendwo ein Stau entsteht und man einfach stundenlang nicht weiterkommt. Hier ging es schon nach 20 Minuten weiter, ich glaube es ist einfach ein wichtiger Politiker vorbeigekommen, deswegen war die Straße abgesperrt...